Harris Tweed – vom Schaf zum Must-have eines stilvollen Mannes

Must-have der kommenden Saison – ein unverzichtbares Stück Stoff

Am Anfang war das Schaf – und dabei vor allem die Rassen Blackface und Cheviot. Stellen Sie sich grüne, teilweise kahle, und erdig braune Hügel vor. Der Wind bläst Ihnen um die Ohren und die Schafe kauen stoisch Gras. Die grauen Wolken am Himmel lassen bereits den nächsten Regenschauer erahnen …

schottische landschaft mit sonnenaufgang und schafsweide

Auf der anderen Seite Glamour und Luxus. Auf den Laufstegen dieser Welt wird die neuste Mode präsentiert. Ein Gläschen Champagner, und Modeexperten tauschen sich über die Dos and Don´ts der kommenden Saison aus …

Zwei unterschiedliche Welten? Ein Stoff bildet die Brücke: der weltbekannte und traditionsreiche Harris Tweed!

In den letzten Jahren erreichte der Harris Tweed Kultstatus. Vor allem in der Modebranche wurde er wiederentdeckt.

Doch wie kam er zu seinen Namen? Woran erkennen Sie den einzigartigen, hochwertigen Tweedstoff? Was sind seine Merkmale und wie setzen Sie sich damit perfekt in Szene?

Hier erfahren Sie alles, was Sie in der nächsten Männerrunde über „Harris Tweed“ wissen sollten.

Royale und prominente Persönlichkeiten lieben ihn

Couturiers wie Chanel oder Gucci lassen den Harris Tweed über die Laufstege dieser Welt fegen. Hollywood-Legenden wie Madonna tragen ihn anmutig auf dem roten Teppich und selbst königliche Hoheiten wie Prince Charles und Camilla haben sich in ihn verliebt.

Das Tweed-Teile Key Pieces sind, weiß auch das Lifestylemagazin «elle» und erklärt sie zum Mode-Must-have. Auch Mode-Blogger wie Beautypunk.com raten zum Stilbruch, denn in der richtigen Kombination wirke der berühmte Stoff der Briten alles andere als konservativ.

Und bei den beliebten Tweed-Runs können Sie Ihre Tweed-Klamotte so richtig zur Geltung kommen lassen. Der urbane Gentleman auf einem Fahrrad in kompletter Tweedmontur ist IN.

Mann auf Farrad im Vintage Look mit roter Weste und dunkelblauen Hemd

Nachhaltigkeit ist Trend

Die traditionelle Herstellungsart aus Schottland, die Handarbeit der Inselbewohner und die Verwendung reiner Schurwolle von natürlich gehaltenen, grasfressenden Schafen machen den Harris Tweed als regionales Erzeugnis in der heutigen Zeit so beliebt. Es handelt sich um ein Naturprodukt mit genauem Herstellungsort und strengen, überprüfbaren Richtlinien. Ein Produkt, das genau in unsere Zeit passt.

Harris Tweed Stoffrolle mit Gütesiegel

Harris Tweed ist Vintage

Der Trend heißt „Vintage“. Das Motto: Kaufen Sie eine Jacke oder Hose mit Geschichte.  Und genau zu dieser Philosophie passen Harris Tweed Produkte. Der Stoff wird im Laufe der Nutzung schöner, komfortabler zu tragen und wertvoller. Auch nach Jahren ist er ein gut erhaltenes Kleidungsstück. Und sogar die nächsten Generationen können sich freuen, denn: Der Harris Tweed ist niemals OUT.

Viele Kombinationsmöglichkeiten dank verschiedener Muster und Farben

Es lohnt sich, ein Stück Harris Tweed genauer unter die Lupe zu nehmen! Durch die Färbung des Stoffes im Rohzustand entstehen sehr satte und lebendige Farben. Denn im Gegensatz zu anderen Tweeds wird bei Harris Tweed das Wollvlies und nicht das Garn gefärbt. Die gefärbten Vliese werden gemischt und versponnen und werden so zu den sogenannten „Streichgarnen“. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass diese einzelnen Garne eine Fasermischung aus bis zu neun verschiedenen Einzelfarben aufweisen können.

Viele Farbkombinationen sind inspiriert von der wunderschönen schottischen Landschaft mit Hügeln, Blumenwiesen und türkisblauem Meer.

schotische Landschaft mit Meer und Steinbrücke

Die Vielfalt an Mustern ist atemberaubend – es gibt mehr als 4000 regelmäßig verwendete Muster- und Farbkombinationen. Sie lassen sich grob in Checks & Tartans, Plain, Herringbone (Fischgräten), Houndstooth (Hahnentritt), Barleycorn und Kaona (Streifenmuster) einteilen. Experimentierfreudige können ihrer Kreativität hier freien Lauf lassen. Um die gewünschten Muster zu erhalten, müssen mehrere hundert Fäden richtig angeordnet und während des händischen Webprozesses ständig überwacht und eventuell wieder neu ausgerichtet werden. Ein Weber produziert etwa 80 bis 100 Meter Stoffbahn in einer Woche.

Stoffrollen unterschiedlicher Farben im RegalVerschiedene Farben und Fäden

Styling-Tipp: Ein Tweed-Sakko bietet Ihnen unbegrenzte Möglichkeiten zum Styling. Es wirkt nie überholt, sondern stets klassisch zeitlos. Mit einem Rundhalspullover und einer farblich passenden Chino kreieren Sie einen Smart Casual Look. Etwas eleganter wirkt das Sakko mit einem Button-down-Hemd und einem Seideneinstecktuch.

Eigenschaften des Harris Tweed

Wie das Land, so auch der Stoff: rau, hart und strapazierfähig. Der Stoff hat sich seit Langem im Kampf gegen die harschen schottischen Wetterbedingungen bewährt. Nicht nur diesen muss er trotzen, sondern er muss auch alltagstauglich sein.

Die fertigen Tuche sind robust, widerstandsfähig, atmungsaktiv, wind- und wasserabweisend. Aufgrund der wärmenden Eigenschaften sind sie für die Bekleidung im Außenbereich gedacht. Beispielsweise kann ein Sakko aus Harris-Tweed alleine schon ausreichend Schutz in der kalten Jahreszeit bieten. Durch die qualitativ hochwertige Verarbeitung handelt es sich nämlich hierbei um kein leichtes Stöffchen. Es kann rund 700 g pro Meter wiegen.

Stoffrollen Harris Tweed nebeneinander in unterschiedlichen Farben und Mustern

Schonen darf man den schönen Tweed allerdings nicht! Erst durch ausgiebigen Gebrauch erlangt der Tweed, der sich nach dem Herstellungsprozess oft noch grob und steif anfühlt, seine weiche und komfortable Beschaffenheit. Getreu dem Motto: Harte Schale, weicher Kern.

Mann mit Tweed Sakko in Brauntönen sitzend auf einem Stuhl richtung Kamara blickend

Das Gütesiegel „Harris Tweed”

Tweed ist nicht gleich Harris Tweed. Nicht jedes aus Schafswolle stammende Tuch darf diese Bezeichnung tragen. Der Harris Tweed Act definiert ganz genau, was als echter Harris Tweed vertrieben werden darf und was nicht.

Harris Tweed gehört zu den ältesten Markenzeichen der Welt. Er ist der einzige Stoff weltweit, der durch einen Act of Parliament geschützt wurde. Seitdem unterliegt die Herstellung strengen Regeln, deren Einhaltung von einem Inspektor der Harris Tweed Authority überprüft wird.

Aber was sind die Auflagen für das das „Orb“– Siegel? Um dieses per Hand aufgebügelte Echtheitsetikett, bestehend aus Reichsapfel mit Maltesterkreuz, zu erhalten, muss der Stoff aus 100 % reiner Schurwolle bestehen. Außerdem muss er auf den Äußeren Hebriden gefärbt und versponnen und danach auf Handwebstühlen von den Bewohnern der Inseln Lewis, Harris, Uist und Barra in ihren eigenen Häusern gewebt werden. Das Wissen um den handgewebten Knötchenstoff wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Siegel im Innenfutter eines braunen Sakkos aus Harris Tweed

Geschichtsstunde – wie der Tweed zu seinem Namen kam

Im Jahre 1830 bekam ein britischer Händler einen Brief aus Schottland, in dem es um „tweel“ ging. „Tweel“ heißt auf Deutsch „Zwillich“, womit eine Webart gemeint ist, bei der mit zwei Fäden gleichzeitig gewebt wird. Allerdings las der Kaufmann die Handschrift falsch und glaubte, dass es sich um einen Handelsnamen handeln müsse, der an den Fluss „Tweed” angelehnt sei. So verkaufte er die wertvollen von Hand gewebten Stoffe aus Schottland kurzerhand als „Tweed”. Herkunftsort des Stoffes war und ist (unter anderem) jedoch Harris, eine Insel im atlantischen Ozean an der schottischen Westküste.

Die Geburtsstunde der Marke „Harris Tweed“

In früheren Jahrhunderten webten die Bauern Harris Tweed nur für den Eigenbedarf oder nutzten ihn als Tauschmittel. Einen Aufschwung erlebte der traditionsreiche Stoff allerdings ab Mitte des 19. Jahrhunderts dank der Gräfin von Dunmore namens Lady Catherine Murray. Sie setze sich für die Verbreitung von Harris Tweed im britischen Empire ein, und das mit Erfolg.

Mit der industriellen Revolution wurde das mühevolle Weben von Hand allerdings immer unwirtschaftlicher und es wurde überwiegend auf maschinelle Webstühle umgestellt. Dadurch kamen Imitationsprodukte mit deutlich schlechterer Qualität auf den Markt und drohten, den Ruf des Harris Tweed zu schädigen. Dies rechtfertigte 1910 die Gründung der Harris Tweed Association Ltd. – seit 1993 als Harris Tweed Authority bekannt. Sie ist die zentrale Kontrollinstanz und seither ist der Name Harris Tweed als Herkunfts- und Herstellermarke geschützt.

Harris Tweed Gütesiegel als Aufkleber

Gewinnung des Rohstoffs

Auch die Rohstoffgewinnung ist ein traditioneller Prozess, der gewissen Regeln unterliegt. Im Frühsommer werden die Schafe geschoren und die robuste Wolle gereinigt. Danach wird die Wolle mit lokalen Rohstoffen maschinell gefärbt und an die Spinnereien geliefert. In mühevoller Heimarbeit wird die Wolle dann von den Inselbewohnerinnen und Bewohnern per Hand gewoben.

großer Handwebstuhl für die Herstellung von Harris Tweed

Ist diese Arbeit erledigt, wird der Stoff – zurück in der Wollfabrik – gewaschen, gewalkt und gebügelt. Durch einen autorisierten Vertreter der Harris Tweed Authority wird er geprüft. Entspricht die Clo Mor, „der große Stoff“, wie der Tweed in der ursprünglichen Sprache der Inselbewohner genannt wird, allen Richtlinien, erhält sie den Stempel mit dem Reichsapfel als Zeichen der Echtheit.

Kessel zum reinigen der WolleSpulen

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Ihr CARL GROSS Team

2019-10-10T09:34:52+00:00